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Methodik & Konventionen

Diese Seite dokumentiert das Wie und Warum hinter dem BAUER GROUP Farbsystem: warum OKLCH neben HEX geführt wird, wie Skalen mathematisch entstehen, welches Format pro Medium verbindlich ist, und welche Brand-Visuals unter besonderem Schutz stehen.

Authority-Hierarchie pro Medium

Das Farbsystem führt mehrere Notationen parallel. Welche im Konfliktfall gilt, hängt vom Medium ab:

MediumAuthorityBegründung
Print, Drucksachen, Pantone-MappingHEXDruckereien wandeln HEX → CMYK über kalibrierte Profile. OKLCH-Approximationen würden zu Druckfarb-Drift führen.
Web, Apps, Display (sRGB, P3, HDR)OKLCHPerzeptiv uniform, Hue-stabil bei Lightness-Variation, Wide-Gamut-fähig auf modernen Displays.
Logo-SVG, Icons, Adobe/Figma/SketchHEXMaximale Tooling-Kompatibilität. Adobe Illustrator, Figma, Sketch lesen HEX verlässlich.
Pantone-Sonderfarben (Premium-Print)PMS-CodeDirekt vom Pantone-Fächer, nicht aus HEX abgeleitet.
CMYK-VierfarbdruckCMYK-Werte aus Brand GuideNicht aus HEX konvertieren — die Brand-Guide-CMYK-Werte sind kalibriert.

Faustregel

Wenn ein Wert für ein physisches Medium gebraucht wird (Druck, Stoff, Lack) → HEX/CMYK/Pantone verwenden. Wenn ein Wert für ein Display-Medium gebraucht wird (Browser, App, TV) → OKLCH verwenden. Im Brand Guide stehen alle Werte parallel — eine 1:1-Übersetzung ist nicht nötig, weil ΔE < 2 zwischen HEX und OKLCH garantiert ist.

Warum OKLCH?

OKLCH ist seit 2023 in allen Evergreen-Browsern verfügbar (Chrome 111+, Safari 15.4+, Firefox 113+) und löst drei strukturelle Schwächen von HEX/RGB:

1. Perzeptiv uniform

Gleiche Lightness-Werte wirken über alle Hues hinweg gleich hell. Bei HEX/RGB ist das nicht der Fall — #FFFF00 (gelb) und #0000FF (blau) haben dieselbe RGB-Helligkeit, aber Gelb wirkt deutlich heller.

L=60% · Rot
L=60% · Gelb
L=60% · Grün
L=60% · Blau
L=60% · Lila

Alle fünf Felder haben dieselbe Lightness=60% und wirken auch optisch annähernd gleich hell.

2. Hue-stabil beim Abdunkeln

Wenn man eine Farbe per OKLCH abdunkelt (Lightness reduzieren), bleibt der Hue stabil. Bei RGB-Reduktion driftet ein Orange immer leicht Richtung Braun-Rot.

3. Skalen-Generation

Brand-100 bis Brand-900 lassen sich aus einem einzigen Hue-Wert mathematisch ableiten. Die Skala wird automatisch perzeptiv konsistent.

Skalen-Generation

Wenn die Brand-Familie um eine neue Farbe erweitert werden muss (z. B. eine Country-spezifische Sekundärfarbe für ein neues Tochter-Unternehmen), folgt die neue Skala dieser Methodik:

Schritt 1 — Anker definieren

Wähle einen Hue (z. B. 47° für Brand-Orange) und einen Maximal-Chroma (z. B. 0.19 für Brand-500).

Schritt 2 — Lightness-Skala erzeugen

Generiere die 9-Stufen-Skala via OKLCH-Lightness-Stepping:

StepLightnessChroma-Verhältnis
-5096 %15 % des Max
-10092 %30 %
-20086 %55 %
-30078 %80 %
-40072 %95 %
-50068 %100 % (Anker)
-60062 %95 %
-70054 %84 %
-80044 %68 %
-90034 %53 %
Begründung des Chroma-Verhältnisses

Die Chroma-Werte werden nicht konstant gehalten, weil das in den extremen Lightness-Bereichen zu unrealistischen oder out-of-gamut Farben führen würde. Stattdessen folgen sie einer leicht glockenförmigen Kurve mit Maximum bei -500. In den hellen (-50/-100) und dunklen (-800/-900) Stufen wird Chroma reduziert, damit die Farben nicht "neonartig" oder "verschmiert" wirken.

Schritt 3 — Werte verifizieren

  • WCAG-Kontrast zwischen -100 und -700 mindestens 7:1 (AAA).
  • Out-of-Gamut-Check: ob die OKLCH-Werte in sRGB darstellbar sind. Falls nicht, Chroma reduzieren.
  • HEX-Konvertierung mit ΔE < 2 für Print-Tauglichkeit.

Beispiel: Wie Brand-Orange entstanden ist

text
Anker:    Hue=47°, Max-Chroma=0.19, Anker-Stufe=500
Schritt:  Lightness 96% → 92% → 86% → 78% → 72% → 68% → 62% → 54% → 44% → 34%
Ergebnis: orange-50 → orange-100 → ... → orange-900

Verifikation:
  orange-100 (#FFEDD5) auf orange-700 (#C2570A) = 8.2:1 → AAA ✓
  Alle Stufen in sRGB darstellbar ✓
  ΔE zwischen HEX und OKLCH-Approximation: 1.4 → ΔE < 2 ✓

Gradient-Schutz-Regel

Verbindliche Brand-Konvention

Brand-Orange-Gradients sind unantastbar. Sie sind das primäre visuelle Erkennungsmerkmal der Marke. Ihre Konsistenz über alle Touchpoints hinweg hat Vorrang vor der technischen Reinheit eines Token-Systems.

Welche Gradients geschützt sind

Geschützt sind alle Verläufe, die Brand-Orange als zentrale Komponente verwenden und in folgenden Kontexten auftreten:

  • Hero-Headline-Verläufe (linearer Verlauf innerhalb der Orange-Familie, typisch orange-500orange-300)
  • Primär-CTA-Glows (radiale Schein-Effekte um den Haupt-Aktionsbutton)
  • Badge-Tönungen (orange Outline mit ~8 % Brand-Orange-Fill)
  • CTA-Card-Hintergründe (135°-Verläufe innerhalb der Orange--500/-700-Range)
  • Section-Hero-Glows (radial blur, brand- oder semantik-getönt)

Was erlaubt ist (Implementation austauschen)

css
/* VORHER — hardcoded */
background: linear-gradient(135deg, #FF8500, #C2570A);

/* NACHHER — Token-basiert (Render-Output identisch) */
background: linear-gradient(135deg, var(--orange-500), var(--orange-700));

Erlaubt: Hardcoded-Werte durch Token-Referenzen ersetzen, solange der Render-Output pixelidentisch bleibt.

Was nicht erlaubt ist (Render-Output verändern)

css
/* FALSCH — neue Farbtöne, anderer visueller Eindruck */
background: linear-gradient(135deg, var(--orange-400), var(--orange-600));

/* FALSCH — andere Winkel, anderer Stop-Punkt */
background: linear-gradient(180deg, var(--orange-500) 20%, var(--orange-700));

Nicht erlaubt: Token-Refactor darf den Render-Output verändern. Im Zweifel: Hardcoded-Wert stehenlassen und einen neuen Token einführen, der genau diesen Wert kapselt.

Praktische Faustregel

Wenn ein Refactor an einem Brand-Orange-Gradient den Diff in einem Screenshot-Vergleich nicht null macht, ist es kein reiner Token-Refactor mehr — es ist eine Brand-Änderung. Brand-Änderungen brauchen Brand-Manager-Approval, Token-Refactors nicht.

Notations-Konventionen im Brand Guide

KonventionBeispielWann
HEX zuerst#FF8500Standard-Spalte in jeder Tabelle
OKLCH zweite Spalteoklch(68% 0.19 47)Neben HEX, niemals als Ersatz
CSS-Variable HEX--orange-500Standard-Token
CSS-Variable OKLCH--orange-500-oklchSuffix -oklch für Wide-Gamut-Optimierung
Semantischer Alias--text-primaryVerweist auf Skalen-Token, niemals HEX direkt

Verifikations-Tools

Für die Skalen-Erweiterung haben sich diese Tools bewährt:

  • OKLCH-Picker (oklch.com) — interaktive Skalen-Visualisierung mit Gamut-Warnung
  • Leonardo (Adobe, leonardocolor.io) — automatische Kontrast-Kalkulation für Skalen
  • WCAG Contrast Checker — final-verifikation jeder -100/-700-Triade

Zukunftssicher

Die Methodik ist bewusst mathematisch deterministisch: aus einem einzigen Hue/Chroma-Anker fällt die komplette 10-Stufen-Skala. Das macht zukünftige Brand-Erweiterungen — neue Tochter-Marken, Country-spezifische Akzente, Event-Kampagnen-Farben — reproduzierbar und konsistent zur Hauptmarke.

Dokumentation lizenziert unter CC BY-NC 4.0 · Code lizenziert unter MIT